Seit der „Zeitenwende“ 2022 hat das Verteidigungsministerium in nur vier Jahren 47.000 Rüstungsverträge über einen Gesamtwert von 111 Milliarden Euro abgeschlossen, was rechnerisch rund 30 Verträge pro Tag entspricht. Trotz der umfangreichen Beschaffungen kann das Ministerium nicht beantworten, wie viel des Beschafften tatsächlich bei der Bundeswehr angekommen und einsatzbereit ist.
In einer Regierungspressekonferenz vom 27. April 2026 wurde die Sprecherin Natalie Jenning gefragt, wie viele der seit 2022 beschafften Rüstungsgüter zum Stichtag 1. April 2026 geliefert und funktionsfähig sind. Sie konnte keine Liste vorlegen und verwies stattdessen auf die öffentliche Kommunikation des Ministeriums, insbesondere auf dessen Internetseiten.
Zudem antwortete das Ministerium ausweichend auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion von Dietmar Bartsch, bei der es hauptsächlich um die Automatisierung einer zentralen Auswertung aller Beschaffungsprojekte ging. Das Ministerium betonte, dass eine solche Auswertung nicht möglich sei, da sie mehrere Tausend Seiten händisch zu prüfen erfordern würde und dazu zu Verzögerungen bei verteidigungsrelevanten Projekten führen könnte.
Der Widerspruch zwischen den Aussagen des Ministeriums ist auffällig: Einerseits betont es, dass es selbstverständlich wissen müsse, ob Verträge erfüllt würden und was „auf den Hof“ komme. Andererseits gibt es zugleich die Behauptung, dass es im Zweifel gar keinen Sinn mache, entsprechende Tabellen zu führen.
Besonders problematisch ist dabei die Unklarheit zwischen Lieferung und Einsatzbereitschaft: Ein Rüstungsgut, das „auf den Hof“ kommt, kann zwar angeliefert sein, aber noch nicht in der Truppe verfügbar, personell betreut oder logistisch abgesichert sein.
