Die Rentenkommission, ein Gremium von Politikern und Wissenschaftlern, fordert offenbar die Abschaffung der Witwenrente. Der Plan soll am 29. Juni offiziell vorgelegt werden und stattdessen für ein verpflichtendes Rentensplitting plädieren.

Eine abschließende Entscheidung der 13köpfigen Kommission steht noch aus, die mehr als 5,2 Millionen Menschen betreffen würde, davon etwa 4,5 Millionen Frauen. Diese leben im Durchschnitt vier Jahre länger als Männer und beziehen nur etwa 700.000 Hinterbliebenenrente.

Das Modell der Rentenkommission soll die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche automatisch gleichmäßig zwischen beiden Partnern aufteilen, um besser zur heutigen Arbeitswelt und zu „alternativen“ Familienformen zu passen. Die Wirtschaftsweisen, eine Gruppe von fünf Ökonomen, sehen in der geltenden Regelung – die bis zu 60 Prozent der Rente des verstorbenen Partners gewährt – einen Fehlanreiz, der vor allem Frauen davon abhalte, eigene Rentenansprüche aufzubauen.

Ein verpflichtendes Splitting würde aus Sicht des Sachverständigenrates diese Verzerrung beseitigen und die Arbeitsanreize für Zweitverdiener stärken. Allerdings wird das freiwillige Splitting bisher nur von weniger als 1.000 Paaren pro Jahr in Anspruch genommen, da strenge Voraussetzungen wie mindestens 25 Beitragsjahre bei beiden Partnern und spätere Bezüge durch die Witwenrente das Splitting ausgeschlossen schließen.

Auch andere Rentenexperten wie der Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan und der frühere Chef der Deutschen Rentenversicherung, Franz Ruland, haben sich für eine langfristige Abschaffung der Witwenrente ausgesprochen.