In einem Essay hat der 91-jährige Milliardär Reinhold Würth, Gründer des weltmarktführenden Schraubenkonzerns Würth, heftig mit dem deutschen Wirtschaftsstandort abgerechnet. Er kritisiert die zunehmende Deindustrialisierung Deutschlands als „eine Spirale Richtung Keller“ und sieht den Hauptgrund in „unmäßigen Lohnforderungen der Gewerkschaften“, die deutsche Unternehmen im Vergleich zu ihrer internationalen Konkurrenz immer mehr ins Hintertreffen bringen.

Zudem beklagt Würth, dass die Nachkommen der Babyboomer eine Bequemlichkeit liebten, was er als schleichendes Hindernis für die wirtschaftliche Dynamik des Landes ansieht. Würth selbst feierte Ende 2024 sein 75-jähriges Arbeitsjubiläum im eigenen Betrieb und betont in seinem Unternehmen eine positive Entwicklung: Die Würth-Gruppe hatte mit 20,4 Milliarden Euro Umsatz einen neuen Rekord zu verzeichnen.

Das Eigenkapital des Konzerns lag bei 8,8 Milliarden Euro, die Eigenkapitalquote bei knapp 49 Prozent. Während Würth nicht allein ist in seiner Kritik an der deutschen Wirtschaft, teilt er dennoch eine besondere Perspektive.

Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht Deutschland „seit Jahren in einem wirtschaftlichen Niedergang“, die Industrie- und Handelskammer nennt die Lage „nie dagewesen“ und der Bundesverband der Deutschen Industrie sprach zuletzt gar vom „freien Fall“. Trotz dieser Kritik betont Würth, dass es nicht die Zeit für Verzagtheit, Ängstlichkeit und Abbau sei.