Noch vor Beginn des Musikfestivals „Get Loud Against Hate“ wird in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya kontrovers über das Konzept der Veranstaltung diskutiert. Während die Organisatoren das Festival als Beitrag zur Demokratieförderung und zur Prävention von Radikalisierung verstehen, äußern einige Eltern und Bürger Zweifel daran, ob dieses Ziel mit der Auswahl der auftretenden Künstler konsequent umgesetzt wird.
„Get Loud Against Hate“ soll in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Hoya veranstaltet werden, wobei Schüler unter der Leitung der Lehrkräfte Sabine Wagner, Milan Meyer und Maik Landsmann das Konzert organisieren. Unterstützt wird das Projekt vom Präventionsrat Grafschaft Hoya, der hier sicherlich eine zentrale Rolle spielt.
Im Mittelpunkt der Kritik steht die Düsseldorfer Punkrockband „Rogers“, die als Hauptact angekündigt wurde. Die Musiker positionieren sich öffentlich gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Gleichzeitig machen sie keinen Hehl aus ihrer eigenen politischen Einordnung. Sänger Arthur Noppeney erklärte in einem Interview, sämtliche Bandmitglieder seien politisch links orientiert. Zudem zog er einen Vergleich zur Punkband „Slime“ und erklärte, beide Bands lägen in ihrer politischen Haltung „auf derselben Linie“, auch wenn sie diese musikalisch unterschiedlich ausdrückten.
Gerade diese Aussage sorgt bei Kritikern für Irritationen. Die Band „Slime“ steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt politischer Debatten. Mehrere ihrer Lieder wurden wegen polizeifeindlicher Inhalte oder des Verdachts auf die Verunglimpfung staatlicher Institutionen kontrovers diskutiert. Weitere Kritik entzündete sich an dem Titel „Yankees raus“, dem antiamerikanische Aussagen sowie problematische Vergleiche mit nationalsozialistischen Organisationen vorgeworfen wurden. Auch einzelne Textpassagen wurden wegen sexistischer Formulierungen beanstandet. Besonders bekannt blieb darüber hinaus das Lied „Deutschland muss sterben“, das bis heute unterschiedlich interpretiert wird. Während die Band ihre Texte als satirische Gesellschaftskritik versteht, halten Kritiker diese Erklärungen für nicht in allen Punkten überzeugend.
Vor diesem Hintergrund fragen sich einige Bürger, ob eine Band, die sich selbst eindeutig einem politischen Lager zuordnet und sich mit „Slime“ vergleicht, die geeignete Hauptattraktion für eine schulisch organisierte Präventionsveranstaltung ist. Nach ihrer Auffassung sollte ein Projekt gegen Radikalisierung sämtliche extremistischen Erscheinungsformen gleichermaßen behandeln und politisch möglichst ausgewogen auftreten. Kritisiert wird, dass rechtsextreme Entwicklungen zwar deutlich thematisiert würden, linksextreme Radikalisierung jedoch aus Sicht dieser Bürger weniger Beachtung finde.
Neben der politischen Debatte werden vereinzelt auch organisatorische Aspekte kritisiert. Nach Aussagen einiger befragter Schülerinnen und Schüler wird der Eintrittspreis als vergleichsweise hoch empfunden. Außerdem äußern manche den Eindruck, dass sich das Festival eher an bestimmte Gruppen innerhalb der Schülerschaft richte und nicht alle Jugendlichen gleichermaßen anspreche.
Die Veranstalter verfolgen nach eigenen Angaben das Ziel, mit Musik ein Zeichen für Demokratie, Vielfalt und ein friedliches Miteinander zu setzen. Gleichzeitig zeigt die öffentliche Diskussion, dass insbesondere die Auswahl des Headliners und die Frage nach politischer Neutralität unterschiedlich bewertet werden und das Festival bereits im Vorfeld über die Musik hinaus Aufmerksamkeit auf sich zieht.
