Der Tagesspiegel hat seinen früheren Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff vorerst von publizistischen Tätigkeiten entbunden, nachdem es bekannt wurde, dass er Meinungstexte durch Künstliche Intelligenz verfassen ließ. Casdorff selbst bekannte sich zu dem Fehler und bat um Entschuldigung.
Die Chefredaktion betonte, dass KI einzelne Arbeitsschritte erleichtern könne, aber nicht den Kern der journalistischen Arbeit übernehmen dürfe. Urteilsbildung, Gewichtung von Informationen, analytische Einordnung und sprachliche Gestaltung müssten in der Verantwortung der Autoren liegen.
Casdorff hatte die Nutzung von KI für seine Texte nicht kenntlich gemacht und publiziert, was gegen die redaktionellen Richtlinien verstieß. Eine Stellungnahme des österreichischen Plagiatsjägers Stefan Weber führte zur Entbündelung von Casdorffs Tätigkeiten.
Weber hatte Casdorff am Mittwoch direkt mit dem Verdacht konfrontiert und ihm 48 Stunden Zeit für eine Stellungnahme gegeben, was zu einer öffentlichen Debatte über die Glaubwürdigkeit des Journalismus führte.
