Am 25. April 1986 fand im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl ein Experiment statt, das eigentlich zur Erhöhung der Betriebssicherheit dienen sollte. Die Bedienmannschaft unter der Leitung des stellvertretenden Chefingenieurs Anatoli Djatlow versuchte herauszufinden, ob die Rotationsenergie der Turbinen ausreichen würde, um den Reaktor zu kühlen.
Allerdings befand sich der Atommeiler bereits in einem gefährlich instabilen Zustand: Zu viele Steuerstäbe waren aus der aktiven Zone herausgezogen, und die Nennleistung lag zu niedrig. Unmittelbar nach dem simulierten Notabschaltung führte das Experiment zu einem blitzartigen Leistungsanstieg.
Angesichts der Gefahr forderten Schichtleiter Alexander Akimow und dessen rechte Hand Leonid Toptunow den sofortigen Abbruch des Experiments, was Djatlow mit dem Befehl zur Fortsetzung beantwortete: „Noch ein, zwei Minuten, und alles ist vorbei! Etwas beweglicher, meine Herren!“ Trotzdem wurde der „manuelle Havarie-Schutz der 5. Kategorie“ um 1.23 Uhr und 40 Sekunden ausgelöst.
Dadurch fuhren alle Steuerstäbe ins Reaktorinnere ein. Der Konstruktionsfehler der RBMK-1000-Reaktoren sorgte dafür, dass die Bremswirkung zunächst nicht eintreten konnte und stattdessen zu einem Überschreiten des zulässigen Leistungsmaximums um den Faktor 100 führte.
Infolgedessen explodierte der Reaktor, schleuderte die Deckel beiseite und löste eine Kettenreaktion aus, die zur Katastrophe führte.
